Ein Blog mit Informationen zu Umnutzung, Verkauf oder Abriß katholischer Kirchen in Deutschland
27.11.12
Tschechische Dorfkirche einsturzgefährdet
25.11.12
Jetzt auch auf Twitter
24.11.12
Ev. Gutleutkirche, Frankfurt a.M.
Fotos: Götz Diergarten, Ffm
Mit Dank an Wilhelm Opatz
Mitblogger gesucht
22.11.12
Kirchenschwinden im Bistum Hildesheim geht weiter
Im Jahr 1998 besuchten im Durchschnitt 15,1 Prozent der Gemeindemitglieder den Sonntagsgottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul. Sieben Jahre später waren es nur noch 6,9 Prozent.Nur drei Tage zuvor hatte Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger die Kirche St. Barbara in Hänigsen profaniert. Die Zahlen sehen auch hier ganz ähnlich aus:
Der Gottesdienstbesuch in der früheren Pfarrgemeinde St. Matthias in Uetze, der St. Barbara in Hänigsen als Filialgemeinde angehörte, ging von 9,9 Prozent im Jahr 1998 auf 5,8 Prozent im Jahre 2005 zurück. Auch in der neuen Pfarrgemeinde St. Nikolaus ist er weiter rückläufig.Bereits notiert hatte ich die Schließungen der Kirchen Maria Königin der Apostel in Coppenbrügge und St. Johannes Maria Vianney in Clenze. Nachzutragen wäre noch die Profanierung der Kirche Heilig Kreuz in Pattensen-Schulenburg durch den Hildesheimer Bischof Norbert Trelle am 14. April 2012. Die Zahlen, diesmal nicht prozentual, sondern absolut, sprechen für sich:
Im Jahr 1988 besuchten im Durchschnitt 104 Gläubige die Gottesdienste in der Heilig-Kreuz-Kirche. Im Jahr 2006 waren es nur noch 61, also 41 Prozent weniger.
Moderne Kirchen in Frankfurt am Main
Das Buch zeigt insgesamt 25 Kirchen und Gemeindehäuser aus der Nachkriegszeit, darunter je elf katholische und evangelische Sakralbauten. Niggli-Verlag, 192 Seiten, 42 Euro.
26.8.12
St. Johannes Maria Vianney, Clenze
Das Haus mit dem Turm, das im Wohngebiet von Clenze steht, war 50 Jahre lang eine katholische Kirche. In einer guten Stunde wird das Haus ein Haus mit einem Turm sein, von dem niemand weiß, wie es künftig verwendet werden soll. Clenze ist ein kleiner niedersächsischer Ort im Landkreis Lüchow-Dannenberg, knapp 80 Kilometer nördlich von Wolfsburg gelegen. An einer Straße, wo sich verklinkerte Einfamilienhäuser aneinanderreihen, steht die Kirche. Flach ist sie und ebenfalls verklinkert, und wäre da nicht der karge weiße Turm, an dem nun die beiden Glocken das Ende der Kirche einläuten, sie wäre kaum von einer Turnhalle zu unterscheiden.Das Bistum selbst referiert, wie in diesen Fällen gewohnt sachlich, die Fakten:
Bischof Norbert Trelle hat diese Kirche im September 2009 bei der „Einstufung der Pfarrkirchen und Filialkirchen im Bistum Hildesheim“ nach Anhörung des Priesterrates zur Schließung vorgesehen. Hintergrund war, dass die Bevölkerung im Wendland bereits in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken ist. Nach Angaben der zuständigen Ämter wird sie bis zum Jahr 2025 um weitere 12,3 Prozent zurück gehen. Entsprechend sinkt auch die Zahl der Katholiken in der Pfarrgemeinde. Im Jahr 1998 besuchten im Durchschnitt 4,3 Prozent der Gläubigen die Gottesdienste in Clenze. Im Jahr 2006 waren es nur noch 3,2 Prozent. Ein weiterer Aspekt, wenn auch weniger wichtig, ist der bauliche Zustand des Gebäudes. Die Finanzmittel des Bistums für Bauten und Reparaturen reichen bei weitem nicht aus, um den Wert aller Immobilien zu erhalten und neue Investitionen damit zu finanzieren. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass der Zustand der Kirche schlecht ist. Die Schäden an der Bausubstanz sind mittlerweile so gravierend, dass umfassende Sanierungsmaßnahmen für mehr als 330.000 Euro notwendig wären.Der Grundstein für die ehemalige Kirche wurde um Juni 1961 gelegt, ein Jahr später war die Weihe. Die Schließung gehört in den größeren Kontext von Kirchenschließungen im Bistum Hildesheim. Laut FAZ sind inzwischen mehr als 30 Kirchen geschlossen worden.
St. Johannes Evangelist in Dielmissen ist jetzt ein Wohnhaus. St. Oliver in Rhüden hat ein Musikverein gekauft. In St. Johannes der Täufer in Peine-Stederdorf ist eine Kinderkrippe eingezogen. Heilig Kreuz in Wunstorf-Luthe wurde abgerissen, ebenso St. Nikolaus in Bremerhaven oder St. Lukas in Stade-Fredenbeck.
28.5.12
Maria Königin der Apostel, Coppenbrügge
Die Kirche „Maria Königin der Apostel“ in Coppenbrügge wird profaniert und verliert damit ihre Funktion als Ort für Gottesdienste. Das hat der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle entschieden. Der Bischof selbst wird den Profanierungsgottesdienst am Samstag, 9. Juni, um 18 Uhr leiten. Die Kirche „Maria Königin der Apostel“ in Coppenbrügge ist eine Filialkirche der Pfarrgemeinde „St. Joseph“ in Gronau, zu der auch noch die Filialkirchen „Hl. Petrus zu den Ketten“ in Elze, „St. Marien“ in Elze-Mehle und „St. Benedikt“ in Salzhemmendorf-Lauenstein sowie die Kapelle „St. Joseph“ in Eitzum gehören. Die Fertigteilkirche wurde 1968 geweiht. Der Künstler Hanns Joachim Klug entwarf damals Altar, Tabernakel, die Taufsteinanlage und weitere Einrichtungsgegenstände wie das Altarkreuz und den Osterleuchter.
23.4.11
Kirchenrettung - Maria in Hanauer Tracht
Der Spraykünstler Stefan Strumbel gestaltet sie neu, unterstützt von Pfarrer, Gemeine und Diözese.
8.9.10
St. Magdalenen, Sehnde-Evern
Eine Nachricht aus meinem Heimatbistum:Die Kapelle St. Magdalenen in Sehnde-Evern wird profaniert und verliert damit ihre Funktion als Ort für Gottesdienste. Das hat der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle entschieden. Generalvikar Dr. Werner Schreer wird den Profanierungsgottesdienst am Sonntag, 12. September, um 10.30 Uhr leiten.Die Kapelle ist eine Filialkirche der Pfarrgemeinde „St. Marien“ in Sehnde. Sie wurde zu Ostern 1955 geweiht.
Die Kapelle St. Magdalenen ist Eigentum des Bischöflichen Stuhls. Sie soll nach der Profanierung abgerissen und das Grundstück als Bauplatz verkauft werden. Ein Tabernakel von Hanns Joachim Klug aus Hannover wird in der Pfarrkirche Heilige Engel in Peine Verwendung finden.
29.11.09
Auferstehungskirche, Sailauf (Bistum Würzburg)
Für den Interessierten gibt es im Web mehr als genug Material, um sich über diese Angelegenheit, die in der Pfarrgemeinde und im Dorf tiefe Wunden geschlagen hat, zu informieren. Z.B.:
- der Artikel über die Auferstehungskirche auf der Pfarrei-Website;
- ein Interview mit dem (damaligen) Ortspfarrer Klaus König (pdf), interessant auch wegen seiner liturgietheologischen Beobachtungen. (Im damaligen Kontext wirkte es jedoch seeehr polarisierend...);
- Berichte von FAZ und Bayerischem Rundfunk;
- zwei Websites von "Abrißgegnern", einmal von Thorsten M. Stenger und zum andern kirchenabriss.de.
12.9.09
Neuorientierung moderner Kirchenbauten – Umgang mit einem schwierigen Gebäudetypus
Aus der Ankündigung:
"Die Architektur der 1960er Jahre wird oft mit „Betonbrutalismus“ und Großstrukturen assoziiert. Zudem sind viele der Gebäude dieser Zeit in die Jahre gekommen, sind sanierungsbedürftig und haben dadurch an Attraktivität verloren.
Letzteres trifft auch auf eine Vielzahl von Kirchengebäuden zu, die in Nordrhein-Westfalen in der Diskussion stehen, weil Kirchenfinanzen und die Zahl der Gemeindemitglieder stark rückgängig sind. Vermutlich ist in den nächsten Jahren bei einem Viertel der Kirchen über eine Umnutzung nachzudenken."
Und bei der Gelegenheit der Hinweis auf die gedruckte Ausgabe der Beiträge eines Symposiums zum Thema, das 2006 in Vallendar-Schönstatt stattfand:
Das letzte Abendmahl: Umnutzung, Verkauf und Abriss von Kirchengebäuden in Deutschland, VDG Verlag, 2008, 20 €
25.8.09
St. Martin, Schneeren und St. Marien, Mandelsloh
Der letzte Gottesdienst fand am 5. Juni in der Kirche statt. In der Pfarrgemeinde Sankt Peter und Paul ist die Kirche Sankt Martin bereits das zweite Gotteshaus, das binnen kurzer Zeit aufgegeben wird. Am 2. Juni war die Kirche Unbeflecktes Herz Maria in Mandelsloh geschlossen worden.
ddp schreibt:
Grund für die Schließung beider Kirchen ist die geringe Zahl an Gemeindemitgliedern. Sankt Martin befindet sich laut eines Gutachtens zudem in einem schlechten Bauzustand. Das Gotteshaus war 1969 als Fertigteilkirche errichtet worden. Für die Instandhaltung hätten rund 250 000 Euro aufgebracht werden müssen. Im Bistum Hildesheim ist Sankt Martin den Angaben nach die 20. Kirche, die seit 2003 profaniert wurde.
St. Barbara, Goslar
Der Abriss einer weiteren ungenutzten katholischen Kirche steht bevor. Die Verhandlungen mit einem Privatunternehmen über den Verkauf der seit 2006 nicht mehr als Gotteshaus genutzten St. Barbarakirche in Goslar „stehen vor dem Abschluss“, sagte der Sprecher des Bistums Hildesheim, Michael Lukas, am Dienstag. Nach Informationen der „Goslarschen Zeitung“ soll das in den 1970er Jahren in Fertigbauweise errichtete Gebäude anschließend abgerissen werden. Seit 2003 wurden im Bistum Hildesheim 23 Kirchen aufgegeben und zwei davon bereits abgerissen, sagte Lukas. Bis 2020 ist die Schließung einiger Dutzend weiterer Kirchen geplant.Mehr zu den Kirchenschließungen im Bistum Hildesheim.
27.5.09
Dinslaken: Heilig-Blut und evangelische Christuskirche
Einzelheiten in "Der Westen".
Thomas zeigt in seinem Abendland Bilder einer Ausstellung mit Werken von Rainer Höpken zum Abriß der evangelischen Christuskirche: "Der Turm stürzt ein".
Sehenswert u.a. der "Kirchenpoker".
1.5.09
Die Karte zum Thema
8.11.08
St. Elisabeth, Münster: Vermehrzweckt
"Pfarrer Martin Sinnhuber ist ein Stein vom Herzen gefallen. Wegen St. Elisabeth. Die Kirche – die mit Blick auf den Pastoralplan zur Disposition stand – wird nicht abgerissen. Sie wird jedoch am 16. November in einem Gottesdienst um 10.30 Uhr von Weihbischof Dr. Franz-Josef Overbeck entweiht. Damit wird der Weg freigemacht für eine ganz neue Nutzung des Gotteshauses, das sich in einen Kultur- und Mehrzweckraum verwandeln wird.
Am Abend soll es in der Kirche an der Hamburger Straße nach der Umgestaltung kulturell zugehen. Beispielsweise mit Konzerten und Lesungen. „Die Holzdecke sorgt für eine hervorragende Akustik“, sagt der Pfarrer. Dagegen sollen tagsüber Kinder den Mehrzweckraum mit Leben erfüllen. Die Montessori-Schule, die im Aschendorff-Verlag an der Soester Straße ihren Schulbetrieb hat, braucht eine Bewegungsfläche. Und auch der Kindergarten St. Elisabeth soll die Räumlichkeit für seine kreative Arbeit nutzen. (...)
Behutsam soll der Eingriff in den Kirchenraum erfolgen. Der Altarraum ist als Bühnenfläche vorgesehen. Der Boden wird erneuert, Bistro und Sanitärräume sollen im vorderen Bereich der Kirche angesiedelt sein. Das Pfarrheim und das Pfarrhaus werden dagegen abgerissen. Dafür wird Wohnraum geschaffen – für ein soziales Projekt in kirchlicher Trägerschaft."
5.10.08
Katholisches Kirchenschwinden - auch in England
Und so schließt er, nach einer Tour quer durch die Diözesen:
"The current crisis provides the clearest evidence that some Catholic bishops are behaving in a high-handed way towards congregations to a degree unthinkable in most other churches in England. The result is both crushing and alienating to congregations and communities. The closing of a church does not solve the problem, as disposal can still be contentious and time-consuming. Faced with declining numbers of priests, English dioceses should look to an empowered laity, who up and down the country, are showing passionate concern for many much-loved churches."
(Herzlichen Dank an unseren Leser M.C. für den Hinweis.)
11.8.08
Herz Jesu Ratingen
„In Zukunft wird man hier wohl eher Kaffeeduft statt Weihrauchschwaden riechen."Die katholische öffentliche Bücherei ist in den Seitenflügel der Herz Jesu-Kirche umgezogen, nachdem die Kirchengemeinde im letzten Jahr das Gebäude von Pfarrsaal und Bücherei verkauft hat. Auf zwei Etagen können 10.000 Medien ausgeliehen werden.
Alle sind glücklich:
„Wir wollen aber nicht darüber jammern, was in der Kirche den Bach heruntergeht, sondern uns über den Gewinn neuer Möglichkeiten freuen“, so Pfarrer Bünnagel. Was beim Umbau herausgekommen ist, ist in vieler Hinsicht sogar besser als die alte Bücherei. „Wir haben platzmäßig vom Umzug profitiert“, sagte Hildegard Pollheim, ehrenamtliche Büchereileiterin. Besonders der Kinderbereich sei größer geworden, was der Leseförderung zugute komme. Er lädt mit bunten Sitzkisten und Regalen voll Büchern, Computer- und Brettspielen zum Stöbern und Verweilen ein. „Ich finde es toll, dass es eine Spielecke für die kleineren Kinder gibt, so nerven die nicht mehr beim Lesen“, meinte Alexander (9). Den einzigen Nachteil sieht Pollheim darin, dass der Eingang zur Bücherei von der Straße aus nicht zu sehen ist – er liegt hinter der Kirche. Hier setze man auf Flyer und Mundpropaganda. „Durch den Umzug haben wir unseren Bestand gründlich aussortiert und haben jetzt ein wirklich aktuelles Angebot“, so Pollheim.
26.6.08
Wandel durch Abriß
Der Altar ist abgeräumt, das ewige Licht aus der Wand gerissen. Doch die Wunde im Mauerwerk schreibt die Kreuzesform auch jetzt noch wie ein nicht verlöschendes Zeichen über den Tisch des Herrn - so als sei das Sinnbild dem Bauwerk eingebrannt. Christkönig in Kaiserslautern, die Backsteinkirche im Villenviertel auf dem Lämmchesberg, ist ausgeweidet bis auf die roten Außenmauern und die haushohen Kirchenfenster, in denen sich hundertfach das Christ-König-Motiv, die Krone, wiederholt. Im Herbst 2007 wurde die Kirche profaniert, vor einem halben Jahr verkauft - bald rücken die Betonmischer an, um den Baukörper für "neue Nutzungen" umzugestalten...
Für manchen Kirchenoberen haftet diesen "Bürgerinitiativen" etwas Unheimliches, das Selbstverständnis der Kirche Verletzendes an, stehen doch Ausmaß und Breitenwirkung der Proteste in krassem Gegensatz zur Schrumpfung der Gemeinden, zum Leerstand von Kirchen und zum Rückgang der Kirchensteuereinnahmen, die vielerorts die Unterhaltung kirchlicher Gebäude zu einer kaum lösbaren administrativen Aufgabe machen...
Mehr Wandel? Die Bürgerinitiativen für die Rettung bedrohter Kirchen setzen sich offensichtlich für etwas anderes ein. Gläubige und Kirchenleitungen scheinen aneinander vorbeizureden. In Kaiserslautern wurde der einzige authentische Zeuge, der Katholik und Nachbar Jäger, zwar freundlich angehört, aber kein Kongressteilnehmer verspürte ein Interesse, die nur 100 Meter entfernte Abrisskirche Christkönig vor dem Umbau zum Appartementhaus noch einmal zu betreten. Den Fürsprechern des "Wandels" geht es nicht um bestehende Kirchen - sie wollen eine neue, veränderte Kirche. Bürgerinitiativen zur Rettung gefährdeter Kirchen sind ihnen suspekt...
Offenbar ist es nicht der Leerstand, sondern die Faszination des "Wandels", der bei der Schließung von Kirchen Pate steht. Im Rausch der Veränderungsmanie spielt die Gefühlslage der Gläubigen offenbar keine Rolle. Die Fördervereine für alte Kirchen, die Widerstandsveranstaltungen gegen Kirchenschließungen, die großen "Events" unter freiem Himmel und die Wallfahrten nach Rom scheinen bei der Absicht nur zu stören, der "neuen" Kirche auch mit neuen Nutzungsideen inhaltlich und baulich Gestalt zu geben.
Kirchliches Leben hat nichts mit Protz und Prunk zu tun, auch wenn die Kirche keinen Anlass hat, sich in Sack und Asche zu kleiden. Aber das kirchliche Gebäude, so hat es Preußens großer Baumeister Karl Friedrich Schinkel einmal ausgedrückt, soll Gott darstellen. Und seinen Standeskollegen empfahl er, sich dieser Bauaufgabe in "Resignation" (d.i. Demut) zu widmen.





